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Gute Vereinsnamen in der DDR

 
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bernhard
Bankdrücker
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Anmeldungsdatum: Jul 25, 2003
Beiträge: 31

BeitragVerfasst am: 24.03.2004 15:23    Titel: Gute Vereinsnamen in der DDR Antworten mit Zitat

Aktivist Schwarze Pumpe - welch großartiger Name für einen Fußballverein. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten die ostdeutschen Sportverweser nach neuen Namen für die Fußballvereine. Bürgerliche Tradition galt nichts mehr, also machte man sich frisch und munter ans allumfassende Umbenennen. Wie ein Verein hieß, hing von seinem Trägerbetrieb ab, der jeweils einer der 19 Sportvereinigungen zugeordnet war. Aktivist bezeichnete einen Club mit einem Bergbaubetrieb im Hintergrund, Aufbau erhielt Unterstützung aus der Bauwirtschaft usw. Ab den siebziger Jahren fanden sich vermehrt Betriebsbezeichnungen in den Namen der BSGen wieder (z. B. Pneumant Fürstenwalde, Robotron Sömmerda). Groß, ja scheinbar philosophisch reflektiert, kamen solche Vereine daher wie Veritas Wittenberge oder Isolation Neuhaus-Schierschnitz.

In einen wahren Umbenennungstaumel gerieten die Funktionäre im Falle des vormaligen 1. Jenaer SV 03. Deren Nachfolger, die 1945 entstandene SG Ernst Abbe Jena, hieß ab 1948 SG Stadion, 1949 dann BSG Carl Zeiss, von Januar bis Mai 1951 BSG Mechanik, danach BSG Motor, ab 1954 SC Motor und schließlich seit 1966 FC Carl Zeiss Jena. Wegen der unentwegten Umbenennungen gerade in den frühen Jahren der DDR ist es für einen später Geborenen nicht immer leicht, sich zurechtzufinden. So ist der SC Lok Leipzig eben kein Vorgänger des 1. FC Lok Leipzig, sondern eine der Mutationen der BSG Chemie. Der Wechsel des Namens hing häufig, aber nicht immer mit dem Wechsel des Trägerbetriebs zusammen: Das hatte dann zur Folge, daß z. B. aus der Altenburger Stahl-Elf Motor wurde, aus Einheit Meerane Fortschritt.

Im allgemeinen waren die Umbenennungen bürokratisch verordnete Akte, in wenigstens einem Fall jedoch hörte man auf die Meinung der Bevölkerung: Als der TSC Berlin anläßlich der FC-Gründung 1966 einen neuen Namen erhalten sollte, gab es eine Zeitungsumfrage. Die Berliner entschieden sich mehrheitlich für 1. FC Union.

Die Originalität manchen Namens litt darunter, daß er so massenhaft in Gebrauch war. Wenn ein Fünftel der gesamten DDR-Liga-Belegschaft Motor heißt, kann man nur noch schwer von etwas besonderem sprechen. Aber es gab eben auch ganz eigenwillige, kuriose Namen: Frieden Schlemmin, Rotes Banner Trinwillershagen, Maschinelles Rechnen Neustrelitz, Sturmvogel Parow. Auch nicht schlecht, wenn Vereins- und Ortsname sonderbar kollidierten wie bei Vorwärts Drögeheide. Oder wunderliche Bandwürmer wie Sport- und Kulturkartell Brieske - Grube Marga. Nach der Wende gab´s Rückbenennungen, Umbennungen en masse - beinahe wie 45 Jahre zuvor. Natürlich schlossen sich auch Vereine mit reiner DDR-Tradition, ohne Vorgänger, der allgemeinen Umbennungswut an, Veritas Wittenberge etwa gerierte sich plötzlich, grausam deutschtümelnd, als Alemannia. Die Turbinen, Lokomotiven, Traktoren verschwanden, um einer Ödnis von VfLs, SCs, SVs, VfBs Platz zu machen. Der Name Motor mag zu DDR-Zeiten ein Langweiler gewesen sein, gegenüber einem SC 03 jedoch wird er geradezu zum Brüller, und was ist schon ein dröger VfL 96 gegen Empor? Besonders traurig: Aktivist Schwarze Pumpe mutierte zum FSV Hoyerswerda.

Die Namen Vorwärts und Aktivist gibt es überhaupt nicht mehr; einige Vereine hingegen behielten ihre Bezeichnung oder nahmen ? nach zeitweiliger Umbenennung - den alten Namen wieder an: Motor Eberswalde, Lok Stendal, Stahl Riesa, Empor Hohenschönhausen, Einheit Rudolstadt, Turbine Dresden. Aus vormaligen Allerweltsvereinen wurden so Träger von Namen mit (beinahe) exklusivem Anspruch. Auch Veritas Wittenberge gibt es mittlerweile wieder.

Jörn Luther

(Gekürzter Auszug aus dem gerade erschienenen Buch »Fußball-Land DDR? Anstoß, Abpfiff, Aus«, herausgegeben von Frank Willmann, Eulenspiegel, Berlin 2004, 192 S., 14,90 Euro)
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